Das Licht der Auferstehung

Liebe Gemeinde,

sicher haben Sie sie auch schon gespürt: die ersten zarten (oder auch nicht ganz so zarten) Sonnenstrahlen auf der kalten Winterhaut. Nach den Wochen, in denen Dunkelheit und Nebel das Sagen hatten, tut es gut, auch mal wieder die Wärme zu spüren. Es tut gut zu sehen, wie die ersten Blumen wieder blühen, wie das Licht durch die noch kahlen Äste der Bäume fällt. Noch deutlicher kann man es wohl kaum merken: es wird Frühling!

Frühling wird es auch auf dem nebenGrafik: Pfeffer
Grafik: Pfeffer

stehenden Bild. Allerdings eine ganz andere Art von Frühling. Das, was abgebildet ist, verstehe ich eher als ein Frühling unseres Glaubens und vielleicht auch als ein Frühling in uns.
Ein Kreuz leuchtet aus der Mitte heraus, so strahlend hell, dass es uns fast schon blendet. Die Farben des Bildes werden von innen nach außen hin schrittweise dunkler- nach und nach scheint das gleißende Licht die Dunkelheit einzunehmen. Bis ganz außen, in die blaue Dunkelheit, ist es noch nicht ganz vorgedrungen, aber es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es auch dort endlich angekommen ist. An mehren Stellen scheinen helle und dunkle Töne zu überlappen. Für mich ein Hinweis darauf, dass sich das Licht in der Mitte seinen Weg bahnt. Mit aller Kraft, die es nur hervorbringen kann und dennoch nicht mit einem Schlag. Sondern Schritt für Schritt.

Das Bild zeigt für mich den Frühling des Glaubens, weil es ein Osterbild ist. Nach der langen Passionszeit, die in der tiefsten Dunkelheit des Karfreitags ihren Höhepunkt findet, scheint am Ostermorgen das gleißend helle Licht der Auferstehung in diese Dunkelheit hinein. Nach dem langen „Glaubens- Winter“ können wir wieder die Frühlingssonne der Auferstehung spüren, die diesen Winter langsam aber stetig auflöst. Und dabei wird das Geschehene nicht einfach vergessen, der Karfreitag wird nicht einfach ungeschehen gemacht. Im Gegenteil: Er bleibt bestehen im Symbol des Kreuzes- aber dieses Kreuz rückt nun in ein anderes Licht und bekommt damit eine andere Bedeutung: vom Symbol des Todes zum Symbol des Lebens.

Und das Bild zeigt für mich auch den Frühling in uns. Oder besser gesagt: in unserem Leben. In jedem Leben gibt es Zeiten, die so dunkel sind wie die Ränder des Bilds. Vielleicht sogar noch dunkler. Auch in unserem Leben gibt es die Zeiten, die sich wie der kälteste vorstellbare Winter anfühlen: Krankheit, Einsamkeit, Verzweiflung, der Tod eines geliebten Menschen und vieles, vieles mehr. In diesen Winter fällt nicht einfach so, ganz plötzlich, wieder die Frühlingssonne. Ich finde, es ist ähnlich wie auf dem Bild: von innen heraus bahnt sich irgendwann ein Licht den Weg, das gleißend hell ist und das unseren Lebenswinter bescheint wie die Frühlingssonne. Und auch dabei wird das Geschehene nicht einfach vergessen. Das, was wir erlebt haben an Schmerzhaftem und Traurigem verschwindet ebenso wenig, wie das Kreuz auf dem Bild. Aber es erscheint uns in einem anderen Licht und hoffentlich nicht mehr so schmerzhaft und traurig wie zuvor.
Uns allen ist das Licht des Ostermorgens geschenkt, mit dem die Hoffnung auf die Auferstehung verbunden ist. Und damit auch die Hoffnung, dass dieses Licht auch in die Dunkelheiten unseres Lebens hineinstrahlt und sie in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski