Durststrecken, oder: Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand

Liebe Leserinnen und Leser!

Angeblich hilft das Ausdauertraining das Leben zu verlängern, was aber sehr schwer zu belegen ist. Eine Andacht, der Besuch des Gottesdienstes etc. sind besondere Einflüsse, welche im „Lebens-Ausdauertraining“ in Jesus Christus begründet sind und eine wertvolle Anpassung im Herzen vornehmen. Unsere Gesellschaft ist sehr leistungsorientiert und keiner darf irgendwie auf irgendeine Art und Weise Schwäche zeigen. Jeder möchte und soll so fit und stark wie möglich sein und das am besten bis ins hohe Alter. Wenn man Stellenanzeigen in der Zeitung oder im Internet liest, dann wird dort immer eine Person mit sehr hoher Flexibilität, hoher Bereitschaft zum Reisen, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit gesucht. Wenn man dann zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, bekommt man das Gefühl vermittelt, dass man am besten 20 Jahre jung sein und über 40 Jahre Berufserfahrung verfügen sollte. Die Firmen suchen genau „den Mitarbeiter“ für die ausgeschriebene Stelle und sonst keinen.

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, welche am 5. August beginnen, werden auch nur Bestleistungen, sprich ein erster bis dritter Platz in der Medaillenrangliste honoriert. Der Teilnehmer, der zwar für sich alles gegeben und evtl. auch Bestleistung erbracht hat, sich aber auf Platz fünf oder noch etwas weiter hinten platziert, wird in den Medien und auch vom Verband nicht so honoriert. Jeder hängt aber auch mal durch und hat eine Durststrecke, der eine mehr der andere weniger, die andere öfter und die andere nicht so oft, aber jeder kennt das. Die Phasen, in denen die Kräfte schwinden und wo man kämpfen muss, um den Anschluss zu halten. Weil der Druck oder die Erwartungen, die man an sich selbst stellt oder von außen an einen gestellt werden, zu hoch sind. Sei es bei einem 800-Meter-Rennen zwischen 500 und 700 Metern, oder bei Kilometer vier auf einer 5.000-Meter-Strecke, in denen ein Durchhänger vorkommt. Die Anzeichen dafür sind meistens, dass man müde wird, die Beine schwer sind und die Atmung hastig und verkrampft ist. Es schießen einem Gedanken durch den Kopf: Schaffe ich es dran zu bleiben oder sollte ich vielleicht lieber das Tempo drosseln, da man ja noch ein Stück vor sich hat. Ab hier entscheidet sich auch, ob man eine gute Zeit läuft oder den vermeintlichen Sieg aus der Hand geben muss. Dann passiert das fast Unmögliche: in dieser Phase enormster Anstrengung läuft es besser als erwartet und man denkt, jawohl das Training hat sich gelohnt und ich komme einen Schritt weiter. Der Körper hat den Stoffwechsel angepasst und neue Kräfte mobilisiert. Bei den Marathonläufern heißt das, dass sie einen zweiten Wind bekommen haben und der tut gut.

In Jesaja 40, 31 wird auch vom zweiten Wind gesprochen:
„Die aber, die dem Herren vertrauen, schöpfen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie gehen und nicht müde werden.“

Das Volk Israel hatte auch eine unheimliche Durststrecke zu meistern. Es war hoffnungslos und sah kein Licht am Ende des Tunnels. In babylonischer Gefangenschaft mussten die Israeliten einiges über sich ergehen lassen, weit weg von der Heimat. Dann hörten sie die oben genannten Worte. Man stelle sich nur vor, wie das für das Volk geklungen haben muss. Sie durften aber zurück in ihr Land, in ihre Heimat und diese Worte erfahren und auf sie vertrauen.

Beim Laufen oder generell im Sport sind Durststrecken ganz normal. Interessant ist nur, wie man hindurch kommt: zufrieden, ärgert man sich oder bekommt man vielleicht den zweiten Wind zu spüren. Im alltäglichen Leben sind diese sogenannten Durststrecken auch normal. Es gibt niemanden, der so etwas nicht schon selbst erlebt hat. Sei es auf der Arbeit – Probleme mit dem Chef oder durch zu viel oder zu wenig Arbeit. In der Schule wegen schlechter Noten oder weil man gemobbt wird. Schwierigkeiten in der Familie mit dem Partner. Oder man muss sich bei jemandem entschuldigen, weil man mit ihm verbal zusammen gestoßen ist. Um Durststrecken zu überwinden, reicht beim Laufen vielleicht die Person, die vor einem läuft, um sich von ihr da hindurchziehen zu lassen. Jeder braucht jemanden, der einem beisteht und zuhört, wenn es mal nicht so läuft. Jemanden der uns in grauen Tagen begleitet. Einen, der uns neue Kraft gibt, wie zum Beispiel der Mitläufer im Wettkampffeld oder der Trainer im Verein, der einem Tipps gibt.

So macht uns Gott auch das Angebot seiner Begleitung und des Zuhörens. Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand, er fängt uns auf, auch wenn wir es nicht immer direkt oder sofort spüren:
„Die aber, die dem Herren vertrauen, schöpfen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie gehen und nicht müde werden.“

Herzliche Grüße,
Holger Burbach (August 2016)