Geh aus mein Herz und suche Freud

Liebe Gemeinde,

ein echter „Evergreen“ seit Jahrhunderten, er wird gerne gesungen, und lässt die Herzen bei Jung und Alt, höher schlagen: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ – Paul Gerhardts Loblied auf die Schöpfung. Seine biblische Heimat ist der Psalm 104, wo im Vers 24 geschrieben ist: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“

Sich diesem Lob der Schöpfung anzuschließen und einen pfleglichen Umgang mit derselben folgen zu lassen, sind wir alle aufgefordert. Es ist eine Binsenweisheit, dass unser alltägliches Leben mit dem Erhalt der Schöpfung schwerlich in Einklang zu bringen ist, weil über allem die Forderung nach mehr Wachstum und damit Konsum, schwebt. Unseren Kindern und Enkelkindern zuliebe sollten wir uns von der Vorstellung des immerwährenden Wachstums der Wirtschaft und der Technik als Bändiger der widerspenstigen Natur verabschieden. Was es dabei zu gewinnen gibt, das sei Ihnen, frei nach Worten des dänischen Theologen Sören Kierkegaard (1813-1855), für den nächsten Ausflug ins Grüne mitgegeben:

Er lässt die Sonne scheinen für dich und wenn sie müde wird, geht der Mond auf und Er zündet die Sterne an – unsertwegen.
Er lässt den Winter kommen, der die Natur verkleidet, sie fremd tut, und das zu unserer Unterhaltung.
Er bringt den Frühling und Vögel kommen zu ungezählten Scharen – uns zur Freude. Das junge Gras lässt Er aufsprießen und
Er macht, dass der Wald schön ausschlägt, und Hochzeit hält – und das, um uns zu erfreuen.
Er schickt den Herbst, und die Vögel ziehen von dannen – nicht damit sie sich kostbar machen, sondern damit wir ihrer nicht leid werden.
Er tut den Schmuck des Waldes in die Truhe, bis aufs nächste Mal, will heißen, damit wir uns auch das nächste Mal freuen mögen!

Herzliche Grüße,
Harald Hain
(Juni 2017)