„Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin“ Psalm 139,14

Liebe Leserinnen und Leser,

während diese Andacht entsteht, sind wir noch in der Passionszeit und somit in der Vorbereitung auf die Themen der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefs: Ostern- Himmelfahrt- Pfingsten.

Durch die Fastengruppe, die dieses Jahr zum ersten Mal in unseren Gemeinden stattfindet, hat die Passionszeit für mich einen ganz anderen Schwerpunkt bekommen. Nicht nur die Passionsandachten sind es, in denen wir innehalten. Sondern auch in regelmäßigen Abständen Freitagsabends hält eine Gruppe von 19 Frauen inne und versucht, das loszulassen, was sie gebunden hält, was sie unfrei macht in ihrem Leben. Für viele ein Experiment- mich eingeschlossen! Aber ein wunderbares Experiment, das auch mich vieles neu entdecken lässt und auf dessen Ausgang ich ebenso gespannt bin!

„Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!“ Dieser Vers aus Psalm 139 begleitete uns in der ersten Fastenwoche. Und dabei entsteht in mir auch sofort ein Bild. Das Bild von Gott, wie er aus der Erde den ersten Menschen macht, wie er formt und feilt, hier noch ein bisschen glatt streicht und dort noch ein bisschen zieht und „zuppelt“ bis schließlich alles zu seiner Zufriedenheit ist. Das Bild ist sehr nah an dem, was uns die Bibel im zweiten Schöpfungsbericht überliefert (1. Mose 2). Wie es sich Menschen vor tausenden von Jahren vorgestellt haben, dass Gott uns geschaffen hat. Es ist das Bild eines Künstlers, der sein Werk schafft.

Aber nicht als leblose Hüllen hat er uns geschaffen, sondern als Menschen mit einer Seele, ausgestattet mit Gaben, die durch den Geist gegeben sind. „In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller; dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem anderen, von der Erkenntnis, einem anderen Glaube, einem anderen die Gabe, gesund zu machen,…“ usw. usw. Dieser neutestamentliche Vers aus dem 1. Kor stand über der zweiten Fastenwoche.

Gaben und Talente – da muss ich immer sofort an Ungewöhnliches denken. Auch an die Fernsehsendung „Das Supertalent“, in der tatsächlich die außergewöhnlichsten Talente gesucht werden. Wir sind bei weitem nicht alle solche Ausnahmetalente, aber solche und ähnliche Sendungen vermitteln zumindest mir oft das Gefühl, dass ich nichts Wert bin wenn ich nichts Außergewöhnliches und Aufsehenerregendes kann. Dass meine ganz alltäglichen Gaben (welche auch immer das sein mögen…) nicht wertvoll sind, weil sie weder Aufsehen erregen, noch Massen begeistern oder Menschen tatsächlich helfen.

Nach außen hin äußern sich solche Gefühle des Ungenügens oft im Versuch der Selbstoptimierung: Ob nun äußerlich durch Schönheitsoperationen oder beruflich in der Erhöhung der Belastbarkeit. Man kann sich selbst mittlerweile bis in den Schlaf hinein kontrollieren und aus dieser Kontrolle heraus dann optimieren. Manche Menschen mögen das brauchen, andere setzt es unter Druck.

Schön wäre es, wenn wir stattdessen einfach so sein dürften wie wir sind. Wenn wir das annehmen könnten, was Gott in uns hinein gelegt hat. Aber dazu gehört es, auch zu wissen oder zu ahnen, was er denn in uns hinein gelegt hat.

„Dem Geist ein Gesicht schenken“. Das war die Übung, mit der wir in der Fastengruppe beide Bibelverse mit einander verbunden haben. In Anlehnung an den Gedanken des Künstlers, der ein Werk schafft, haben wir versucht, unsere Gaben und Talente bildhaft mit Modelliermasse darzustellen. Wie sich herausstellte, kein so leichter Versuch. Nicht nur, dass sich manches schwer umsetzen ließ. Noch schwerer viel es oft überhaupt zu erkennen, was man selbst gut kann- ohne auf die Wahrnehmung der Anderen zu hören.

Was könnt ihr gut? Wo liegen eure Gaben, eure Talente? Wobei geht euch das Herz auf, wenn ihr es tut? Ich denke, wenn wir versuchen, diese Fragen immer mal wieder im Alltag zu stellen, kommen wir auch dahinter, welchen Schatz Gott in uns hinein gelegt hat und können am Ende mit in Psalm 139 einstimmen: „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!“.

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski