Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, zum Lob Gottes!

Liebe Leserinnen und Leser,

wahrscheinlich weihnachtet es bei Ihnen gerade sehr, während Sie die aktuelle Ausgabe unserer Glaubensimpulse lesen. Vielleicht backen Sie gerade Plätzchen, basteln, schmücken Ihre Fenster oder machen sich Gedanken um die Geschenke, die es dieses Jahr geben soll. Denn so ganz ohne Geschenke will man Weihnachten ja eigentlich auch nicht feiern. Es ist doch immer schön, ein kleines Päckchen in den Händen zu halten und zu wissen, dass jemand an einen Gedacht hat.

Vor allem, weil es in der Zeit vor Weihnachten (aber auch rund um die Feiertage herum) immer wieder negative Reibung geben kann. Natürlich spüren wie eine solche Reibung das ganze Jahr über immer mal wieder, aber in der Advents- und Weihnachtszeit doch irgendwie besonders.

Auf Unstimmigkeiten unter einander nimmt auch die Jahreslosung für 2015 Bezug- und dazu passend auch dieses Bild, das die Künstlerin Stefanie Bahlinger dazu gestaltet hat: „Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, zum Lob Gottes“. Einander annehmen- das würden wir heute vielleicht eher mit den Worten „Toleranz“, „Akzeptanz“ oder vielleicht „Respekt“ beschreiben. Aber der Kern ist doch der gleiche: erkennt an, dass ihr alle unterschiedliche seid und findet doch das gemeinsame. Findet eine gemeinsame Basis, auf der ihr so miteinander umgehen könnt, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist. Für ihn waren alle Menschen gleich wertvoll, egal ob Mann oder Frau, ganz jung oder ganz alt. Niemand war für ihn besser oder schlechter.

Dass wir uns das in Kirchengemeinden (aber nicht nur hier, denke ich) zum Vorbild nehmen sollen, ist selbstverständlich. Doch was so selbstverständlich scheint, scheitert doch fast täglich bei der Umsetzung: wo unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen auf einander prallen, passiert es schnell, das der gegenseitige Respekt verloren geht und man einander nicht mehr in liebevoller Annahme, einfach mit einem positiven Grundgefühl, begegnen kann. Einander anzunehmen funktioniert da immer gut, wo man einer Meinung ist; ist das nicht mehr der Fall, wird es schwierig. Besonders dann, wenn jeder meint, mit seiner Meinung die einzig wahre und richtig zu vertreten.

Ich glaube, es ist eine ewige Aufgabe von Kirchengemeinden, aber auch von Christinnen und Christen im privaten Bereich, zu lernen, dass andere Menschen ganz anders denken, leben und fühlen, als wir das für richtig halten. Und dieses Anderssein des Anderen dann auch anzunehmen. Dazu gehört es, sich bewusst zu sein, dass wir einfach nicht alle gleich sind und dass es für das Denken und Fühlen, aber auch für die gewählte Lebensführung keine einheitlichen Maßstäbe gibt, die für jeden absolute Gültigkeit haben. Das zeigt auch das Bild zur Jahreslosung sehr schön, indem es einzelne „Flicken“ darstellt, die alle eine unterschiedliche Farbe und Größe haben und aus unterschiedlichen Materialien sind. Manche sind ganz ähnlich, aber keins ist wie das andere. Doch verbunden sind diese Einzelteile trotzdem zu einem großen Ganzen mit den einzelnen Fäden: manchmal auch mit schiefen und krummen Nähten, aber doch auch so fest, dass alle Einzelteile ein schönes Gesamtbild ergeben. Und Platz ist an allen Seiten auch noch, die Fäden an den Enden sind nicht vernäht. Und über all dem leuchtet wie ein Heiligenschein das Lob Gottes.

„Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, zum Lob Gottes“. Auch im Jahr 2015 wird das eine kniffelige Aufgabe für uns alle sein. Aber ich hoffe doch sehr, dass wir sie in Teilen in unseren beiden Kirchengemeinden und auch darüber hinaus verwirklichen können.

Ich wünsche Ihnen und allen, die Ihnen am Herzen liegen, eine gesegnete und möglichst reibungsfreie Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start in das neue Jahr 2015!

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

Bild: Jahreslosung im Verlag am Birnbach – Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen