Ob das alles so stimmt

Im Fernsehen bekundet ein Anhänger einer Naturreligion: „Wir glauben an die Kraft der Sonne, die Reinheit des Wassers, die Schönheit der Natur.“ Also doch! Glaubensinhalte werden definiert! Aber bedarf es eines Glaubens in Bezug auf das, das man sieht, hört, schmeckt? Ein Koch sieht das schwarze Steak und meint: „Ich glaube das wird nicht mehr schmecken.“

Das weiß er aus Erfahrung, es hat nichts mit „Glaube“ zu tun. Vieles in unserem Erleben basiert auf rationalen Erfahrungen. Andererseits entzieht sich manches reiner Vernunft.

In der Entwicklungsgeschichte von Religion scheint mir das Christentum anderen Weltdeutungsentwürfen mindestens zwei Schritte voraus. Wenn ich sage: „Ich glaube morgen wird es wieder hell“, dann glaube ich nicht an die Sonne (wie im alten Ägypten). Ich vertraue darauf, dass morgen geschieht, was gestern geschehen war. Vertrauen auf Zuverlässigkeit, Hoffnung, dass auch diese Nacht vorüber gehen wird. Solch zentrale Begriffe hat das Christentum weiterentwickelt: So, wie täglich neu Licht, Wärme und Wasser der Natur Leben ermöglicht, so ist der treue Gott einem jeden Christus-Glaubenden täglich neu freundlich zugewandt.

Womöglich erleben wir Dinge, die unser Gemüt verdunkeln, unsere Psyche belasten. Wenn wir uns gerade dann unserem Herrn Jesus Christus neu anvertrauen, werden wir erleben: Er trägt unsere Last mit, befreit uns von Sorgen, ermöglicht einen weiteren Horizont. Wer solches erlebt hat, wird nicht von religiöser Selbsttäuschung sprechen. Nicht der Mensch projiziert als Gegenpol seiner Unvollkommenheit auf ein göttliches Gegenüber. Nicht der Mensch bastelt sich einen Gott/eine Gottesvorstellung! Sondern Christus-Jünger machen Erfahrungen gegenläufiger Entwicklung: Von Gott zum Menschen.

Lassen sie mich provozieren: Das Christentum ist keine Buschreligion mit lebensweisheitlichen Sprüchen und noch klügeren Theologien (=Gottes-Lehren). Das Christentum ist die gelebte Beziehung zu Gott über Jesus Christus durch den Heiligen Geist. Glaube meint: Das von Gott Empfangene (vergeben, lieben, helfen) weiterreichen. Dies ist keine Theorie und mehr als Kultur!

Wenn wir Gott zutrauen, in unser Leben einzugreifen, dann werden wir dies auch erleben. Nicht täglich. Eher als ein Wunder. Sein Geist erleuchtet unsere Erkenntnis, weist neue Wege.

In der Gemeinschaft der Glaubenden geschieht es, dass Kranken, Traurigen oder Belasteten Boten Gottes geschickt werden. Da kann ein/-e Besucher/-in schon mal hören, „Dich schickt der Himmel, hilf mir doch mal bei dieser oder jener Kleinigkeit.“

Wir, Gottes verlängerter Arm!

Darüber hinaus haben wir feste, von unserem Befinden losgelöste, Festzeiten. An Ostern feiern wir nicht die erwachende Natur, die Wärme, die unseren Gliedern so gut tut. Wir gedenken der einzigartigen Liebe Gottes. Erscheint unsere Liebe erkaltet, so wünscht ER uns darin ein neues Erwachen, einen Liebesfrühling. Der Auferstandene malt uns Vorstellungen von Seinem Reich auf…dem diesseitigen wie jenseitigen.

Auch das Judentum und der Islam verkünden die Auferstehung aller Menschen und betonen deren Verantwortlichkeit für ihr irdisches Tun und Lassen. Aber nur wir Christen dürfen durch Jesus uns sicher sein; Er geleitet uns durch das Gericht zu Seiner Herrlichkeit!

Warum? Weil wir Ihm unsere Fehltritte bekennen, sie bereuen, um Vergebung bitten. Dann spricht Er uns los und wir gehören von nun an zu IHM.

Ob das alles so stimmt? Paulus schreibt an die Korinther; „Ist Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt und euer Glaube vergeblich. Ihr wäret umsonst gläubig geworden“ (1.Kor. 15). Wer das Christentum für Menschen-Mache hält, wer Ostern persönlich für bedeutungslos hält, verzichtet auf seine eigene Bedeutung für Gott. Gott aber liebt alle Menschen, geht gerade denen nach, die Seine Hände verlassen haben. Gott ist größer als kleinkarierter Ärger über Menschen und Gemeinden. In Christus hat Er epochales gewirkt, sodass Wissenschaftler heute noch die Zeit rechnen „vor Christus“ und „nach Christus“. Wir leben weder vor noch nach Christus, sondern mit Christus; gerade in dieser neuerlichen Osterzeit. Bei unserer Begrenztheit vermögen wir von Gott nur in Bildern zu reden. Darum:

Jesus, Licht der Welt, Hirte der Herde, ziehe alle Menschen zu dir.

Eine fröhliche Osterzeit und ein friedliches Miteinander
wünscht Ihnen Pfarrer Albrecht Storck (März 2019)