Segnungen und Freuden des Gottesdienstes

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Psalmbeter schreibt in Psalm 84, 2-4: Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.

In unserem Psalm berichtet der Psalmist von den Segnungen und den Freuden des Gottesdienstes. Und da wird deutlich, dass zu einem gesegneten Gottesdienst auch der Wunsch nach einer Begegnung mit Gott, die Sehnsucht nach seinem Reden und die Erwartung, dass er reden wird, mitentscheidend sind. Was uns geschenkt ist mit den Begegnungen in der Gemeinde, mit den Gottesdiensten, das merkt man oft erst dann, wenn man das sonst scheinbar so selbstverständliche plötzlich nicht mehr hat.

Fehlende Freude an Gottesdiensten, an seiner Gemeinde hängt oft auch mit fehlender Freude an Gott zusammen. Und von der ist hier im Psalm die Rede. Da freut sich der Psalmist nicht in erster Linie über eine schöne Liturgie, so schön die auch manchmal ist­ da freut er sich nicht in erster Linie an einer gewaltig klingenden Kirchenorgel, sondern er freut sich zuerst und vor allem an der Gegenwart des lebendigen Gottes.

Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott das heißt doch: Ich freue mich rundherum über meinen Herrn. Wenn Kinder sich riesig über etwas freuen, dann sitzen sie in der Regel nicht gelangweilt auf ihrem Stuhl und sagen: „Ach, wie freue ich mich so“. Da springen und hüpfen sie in der Regel in der Gegend herum, weil die Freude Besitz ergreift von ihrem ganzen Körper.

Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen Es lohnt sich angesichts dieser Aussage, einmal die Schwalben zu betrachten. Manchmal kann man ihnen kaum mit den Augen folgen, so schnell bewegen sie sich, so abrupt ändern sie ihre Flugrichtung. Der Psalmist vergleicht sein Herz hier mit einer Schwalbe. Es ist voller Unruhe. Was tragen wir nicht oft an Unruhe mit uns herum, Gedanken, Sorgen, Nöte, Anfechtungen, Schuld. Wir sind von Natur aus friedlos, unruhig wie eine umherfliegende Schwalbe. Und nun will der Psalmist sagen: So wie die Schwalbe ihr Nest gefunden hat, wo sie ihre Jungen aufziehen kann, wo sie Ruhe findet, so ist mein unruhiges Herz zur Ruhe gekommen, hat in Dir eine Heimat gefunden.

Wie sieht diese Heimat aus? Deine Altäre, Herr Zebaoth! Es gab im Tempel zwei Altäre. Einer stand im Vorhof des Tempels, genauer im Vorhof des Priesters. Das war der große Altar, auf dem die Schuldopfer geopfert wurden. Wenn sich ein Mensch in Israel versündigt hatte, dann brachte er ein Opfertier, das geschlachtet und auf diesem Altar verbrannt wurde. Hier fand die Versöhnung statt. Wenn nicht gerade außergewöhnliche Opfer dargebracht wurden, dann brannten immerzu Opfer auf diesem Altar, oft sogar viele Opfertiere. Das Feuer wurde ständig bewacht, morgens und abends gerichtet, und die Rauchsäule von diesem Opfer stieg Tag und Nacht zu Gott auf.

Oft war es ein Lamm, auf das symbolhaft die Sünde und die Schuld Israels gelegt wurden und das nun stellvertretend starb. Wenn in Israel jemand Angst hatte und ihn die Frage quälte­: Wie stehe ich zu Gott bzw. wie steht Gott zu mir, dann schaute er auf die Rauchsäule und wusste: Das Versöhnungsopfer brennt. Da ist Vergebung. Ein Lamm ist an meine Stelle getreten, an meiner Stelle gestorben.

Im Tempel stand noch ein zweiter Altar. Hier wurde nur Weihrauch geopfert, und der Rauch, der zum Himmel stieg, war ein Symbol für die Gebete der Gemeinde. Er sollte sagen­: Ihr dürft zu Gott reden, ihr dürft euch ihm anvertrauen. Gott ist für euch. Er will euch hören.

Seit dem neuen Testament brauchen wir keine Tieropfer mehr. Im Hebräerbrief lesen wir davon, dass Jesus Christus das endgültige, einmalige und ewiggültige Opferlamm Gottes ist. Tierblut konnte letztlich keine Schuld vergeben, so lesen wir im Hebräerbrief. Jesus hat die vorläufigen Opfer des Alten Testamentes durch sein vollkommenes Opfer am Kreuz abgelöst. Als er starb, zerriss der große Vorhang im Tempel mitten entzwei und machte damit den Zugang zu Gott frei für alle Menschen, die im Glauben das Erlösungshandeln von Jesus für sich persönlich annehmen.

Bei dem lebendigen Gott dürfen wir zu Ruhe kommen, wenn uns Schuld bedrückt. Bei ihm dürfen wir zur Ruhe kommen, wenn uns Sorgen und Nöte umhertreiben.

Herzliche Grüße,
Hans Peter Brüggendick, Prediger im Evangelischen Gemeinschaftsverband Herborn (Februar 2017)